Caspar David Friedrich

Der Maler Caspar David Friedrich wurde am 5. September 1774 in Greifswald als sechstes Kind des Lichtgießers Adolph Gottlieb Friedrich und dessen Ehefrau Sophie Dorothea Bechly geboren. Seine melancholische Grundstimmung wurde durch traumatische Kindheitserlebnisse geprägt. Mutter und Schwester verstarben wenige Jahre nach seiner Geburt, der ältere Bruder Christoffer verunglückte tödlich, als er seinen kleinen Bruder vor dem Ertrinken retten will (1787). Tief von Schuldgefühlen gepeinigt setzt sich Caspar David Friedrich seitdem mit dem Sterben und der Vergänglichkeit des Menschen auseinander, Themen, die sich in seinen Bildern widerspiegeln. 1794-1798 besucht er die Kunstakademie in Kopenhagen. Da das Geld für einen Italienbesuch nicht reichte, reiste er 1798 nach Dresden. Dort lebte CDF bis zu seinem Tode in verschiedenen Orten direkt an der Elbe. 1818 heiratete er 44jährig Caroline Bommer, mit der er drei Kinder hatte. 1835 traf ihn ein schwerer Schlaganfall, seit dieser Zeit malte er keine Ölbilder mehr. 1840 verstorben.

Seit dem 7.10. ist in der Hamburger Kunsthalle eine Retrospektive mit dem Titel „Die Erfindung der Romantik“ über Caspar David Friedrich zu sehen. Rund 70 Ölgemälde und 120 Zeichnungen dieses großen deutschen Malers, die auch heute noch fesseln, sind in dieser Ausstellung wieder vereint. Die großen nationalen Fragen, die CDF zeitlebens beschäftigte und in seinen Bildern ihren Widerhall fanden, wurden natürlich geflissentlich ausgeklammert oder nur in Nebensätzen erwähnt. In dem Begleitprospekt wird dafür die fortschreitende Individualisierung hervorgehoben, die in der Zeit von Friedrich ihren Anfang nahm. Das CDF diese aber unter die nationale Frage stellte, bleibt unerwähnt. Glücklicherweise sind auch einige Briefe von ihm erhalten, die in eigenen Worte das Denken dieses großen Malers enthüllen.
„Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er es auch zu malen, was er vor sich sieht.“ Dieser Schlüsselsatz von CDF über den geistigen und seelischen Rückzug in die innere Welt kennzeichnet die romantische Literatur und Malerei. Mit seinen Freunden, den Malern Philip Otto Runge und Georg Friedrich Kersting, sowie den Schriftstellern Ludwig Tieck und Friedrich von Hardenberg (Novalis), bildete CDF in Dresden das künstlerische und literarische Zentrum der Romantik. Dresden war damals die Begegnungsstätte der jungen Künstler und Schriftsteller der Romantik. Tiecks Ausspruch „Alles, was uns umgibt, ist nur wahr bis zu einem gewissen Punkt“ läßt CDF in seinen Gemälden Wirklichkeit werden.
Einer der Höhepunkte der Hamburger Ausstellung ist sein Gemälde „Das Eismeer (Gescheiterte Hoffnung)“ von 1823/1824. Im Mittelpunkt dieses Bildes stehen riesige Eisschollen, die die gestrandete Kogge sehr klein wirken lassen. Wie Streichhölzer sind die Masten umgeknickt. Die dargestellte Tragödie ist für ihn das Abenteuer des Menschen, die unvermeidlich mit dem Tode endet, auf dem Bild als Todeskampf des Schiffes dargestellt. Das ewige Eis bedeutet die Unendlichkeit Gottes, das gestrandete Schiff die Vergänglichkeit des Menschen und sein Scheitern, Gottes Wesen rational zu ergründen.
Ein anderes bekanntes Bild in der Ausstellung ist das Ölbild „Frau am Fenster“ von 1822. Es zeigt seine Frau Caroline Bommer, die er 1818 vierundvierzigjährig geheiratet hat, als Rückenansicht am Fenster in seinem Atelier. Sie ist die Mittlerin zwischen dem düsteren Diesseits und dem lichten Jenseits. Draußen verkörpern Pappeln die spirituelle Dimension, nach altgermanischer Tradition ein Trauerbaum. Sie sind die Verbindung zur Unterwelt. Die beiden Masten scheinen vom einen Ufer zum anderen zu weisen, eine Variation des alten Themas von Übergang und vom Tod.
Das Bild “Einsamer Baum”, mit einer riesigen Eiche im Mittelpunkt, ist ein Synonym für Deutschland damals wie heute. Die Umgebung des Baumes – besonders das aufgehende Tageslicht – deutete aber (damals) auf eine bessere Entwicklung hin. Die zeitgenössischen Bezüge sind allerdings für den heutigen normalen Systemmedienüberkonsumenten schwer entschlüsselbar. Die „Hünengräber“ auf Rügen, die er während der französischen Besatzungszeit malte, symbolisieren nationale Stärke, der „Chasseur im Walde“ läßt förmlich den Wunsch spüren, die verhaßten Franzosen, die als Besatzer im Auftrag von Napoleon in Deutschland hausten, mögen vom kalten Wald verschlungen werden.
Diese und viele weitere Bilder sind auf der Ausstellung zu bewundern, die christlichen Bilder mit ihrem Sinnbild von Leben und Tod, die vielen Landschaftsbilder mit ihren poetischen Deutungen, die vielen Vorstudien, die CDF draußen nach dem exakten Bild der Natur anfertigte. Der Besuch der Ausstellung mit Bildern aller „Lebensstufen“ (auch dieses Bild wird gezeigt) lohnt sehr. Ein Höhepunkt ist der abgedunkelte Raum, in der Kopien einiger Bilder von CDF per Hintergrund-beleuchtung gezeigt werden, die „Magie des wohligen Schauers“, wie Goethe empfand, der CDF 1810 in seinem Atelier besuchte, wird hier besonders sichtbar.

Hamburger Kunsthalle: "Caspar David Friedrich. Die Erfindung der Romantik".
Geöffnet: 7. Oktober bis 28. Januar 2007, Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr.
Eintritt 7-12 Euro; Katalog: 29 Euro; Weltnetz: www.hamburger-kunsthalle.de

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