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(musikjournalismus im internet)
Monday, November 06, 2000
Was die Münchner Stadtwerke mit elektronischer Musik aus London und Landsberg, erschienen auf einem Wiener Label, am Hut haben.
Das erste einschneidende Erlebnis mit diesem Album verdanke ich den Münchner Stadtwerken. Mitten im allerersten Stück unterbrach nämlich ein Stromausfall meinen Hörgenuss. Zack! Funkstille! Es war ein gewaltiger Stromausfall, wie sich im Laufe der nächsten paar Stunden herausstellen sollte, ein Stromausfall, deren Ursache nicht einfach mal so behoben werden konnte, ein Interruptus, der Videogeräten, Computern und Anrufbeantwortern den Garaus machte und mich mehr als 500 Minuten lang zur Untätigkeit verdammte.
Als die Münchner Stadtwerke kurz nach 20.00 Uhr den Schaden endlich behoben hatten, der Kühlschrank ansprang und die Lichter angingen, war auch Ted Milton wieder da, und plötzlich wusste ich schlagartig, was ich an diesem Album hatte.
»I?ll suck your eyes, I?ll suck on your tongue ... I?ll suck on the moon and I?ll suck on the sun ...« ? das klang zusammen mit Loopspools Rhythmen, der Klavierspur und dem tiefen Bass von Michael Heilrath (Couch) wie ein neuer Track von Robert Wyatt! Welch ein Timbre! Welch wunderschönes Zerfließen von Klangstrudeln und Noise-Nebeln, welch eine Klarheit!
Wer aber sind die Menschen, die uns diese sublime Platte bescheren? Ted Miltons No-Wave-Band Blurt nicht zu kennen, ist zumindest im Jahr 2000 keine Schande (liegt ihr Wirken doch nun schon ein ganzes Teenagerleben zurück), und hinter dem Namen Loopspool verbirgt sich niemand anderes als Andreas Gerth vom Weilheimer Tied and Tickled Trio.
Per Post führten die beiden ihre Ideen zusammen, auf einem Tape das zwischen London und Landsberg pendelte. Entstanden ist ein emotionales, angenehm schläfriges Album, ein poetisches Ein- und Ausklingen, das einen Hin- und Weghören lässt wie man es gerade braucht ? komplex, aber userfriendly. Hie und da stellt ein Saxofon eine Leitung zu den Beat-Lyrikern her ? die Verbindung adäquat gestört durch allerlei Geräusche. »This is the room, where I waited for your light« ? bitte jetzt keinen Stromausfall!
Gero Günther, popXL - musikjournalismus im internet, November, 2000
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